Bolivien: La Paz und Death Road

Auf nach La Paz.

Um von Uyuni nach La Paz zu gelangen, führt der kürzeste Weg über die RN30 nach Challapata und Oruro. Die gesamte Strecke bis nach La Paz beträgt 540km, für eine Tagestour nach unserem Empfinden zu lang. So beschließen wir wieder in Oruro zu übernachten. Mit 320km ist dies gut zu schaffen. Zu unserer Linken fahren wir so eine lange Zeit am Rande des Salar de Uyuni  entlang und können die Dimension des größten Salzsees der Welt erahnen. Mit der Suche nach einer Unterkunft geben wir uns in Oruro nicht viel Mühe und übernachten ein zweites mal im Calle Aroma zum günstigen Preis. In Oruro können wir gegen Abend einen langen Karnevalszug, der zur Vorbereitung für den alljährlichen Karneval durch die Straßen zieht, erleben. In dem Umzug befinden sich die verschiedenen Vereine, Gruppen oder Etnien mit ihren sehr farbenfrohen Kostümen, einfach wunderbar anzusehen. Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten über den Zwischenstopp in Oruro.

Also brechen wir am anderen Morgen bei Zeiten auf nach La Paz. Ich bin schon sehr gespannt auf La Paz. Es ist ja die Hauptstadt von Bolivien und grenzt an die ebenfalls sehr große City El Alto. Über booking.com haben wir uns ein günstiges Hotel im östlichen Teil von La Paz herausgesucht, um so leichter von dort aus zur „Death Road“ zu gelangen. Tja, die Anfahrt zu  unserem Hotel führt uns leider mitten durch El Alto und dann weiter mitten durch La Paz. Der Verkehr ist gewaltig und wuselig. Jeder versucht so gut wie möglich voran zu kommen und der Verkehr erinnert mich an indische Verhältnisse. An den Straßenrändern auf beiden Seiten werden alle möglichen Dinge verkauft, sodass man den Eindruck hat, die Straße führt mitten durch die Markthallen von El Alto. Privatfahrzeuges gibt es verhältnismäßig wenig, dafür aber eine Unzahl von Minibussen, die überall mal anhalten, damit Fahrgäste ein- und aussteigen können. Zudem ist es auch noch mega schwül und eine „Bullenhitze“, es kündigt sich ein Gewitter an. Aber irgendwie wird es schon klappen und ich hoffe, dass wir bald unser Hotel ereichen. Leider hat es bei der Übertragung der Adresse aus booking.com in meinem Navi nicht funktioniert bzw. mir ist dabei ein Übertragungsfehler unterlaufen. So kommt es, dass wir im dichten Verkehr herum irren und unsere Unterkunft suchen. Dann fängt es auch noch an zu regnen und in kürzester Zeit bin ich durchnass. Was soll ich sagen, unter solchen Randbedingungen bei guter Laune zu bleiben, fällt mir doch schwer. Aber dann finden wir endlich eine Unterkunft und können unsere Motorräder unterstellen und uns trockene Sachen anziehen. Alles gut … Gegen Abend hört es auf zu regnen, sodass wir einen ersten Ausflug unternehmen, um die Stadt zu erkunden. Unser Stadtviertel hat mehrere große Parks und macht auf mich einen gepflegten, aber sehr lebendigen Eindruck. Der Hunger treibt uns um, da wir zu Mittag nichts gegessen haben. So landen wir in einem chinesischen Schnellrestaurant. Carlos bestellt sich ein frittiertes halbes Hähnchen und ich mir ein Nudelgericht. Gegen späteren Abend klagt Carlos über Magenbeschwerden und Übelkeit. Oh oh, da war wohl etwas am Hähnchen unverträglich und haut Carlos ziemlich aus der Kurve und zurück zum Hotel ins Bett. Nach 2 Tagen hat Carlos es aber überstanden und ist wieder unternehmungslustig.

La Paz hat mich ziemlich beeindruckt durch seine super neue Schwebebahn, die alle Stadtteile verbindet und auch nach El Alto rüber führt. Mit ihr werden täglich 250 – 300.000 Personen  befördert. Eine geniale Idee zur Entlastung des Verkehrschaos von La Paz. Um uns die Stadt von oben anzusehen, unternehmen wir so eine komplette Rundreise über La Paz. Mit 3 Pesos (40Cent) pro Abschnitt für uns super günstig. 

 In La Paz ist mir allerdings meine DKB Kreditkarte abhanden gekommen bzw. in einem Geldautomaten stecken geblieben, nachdem ich an 4 Geldautomaten hintereinander versucht habe, Geld zu bekommen. Der Grund für den Einzug meiner Kreditkarte war nach späterer Recherche, dass ich das untere Limit von 50€ 4x hintereinander verletzt hatte. Das Bezahlen z. B. eines Cappos für 80Cent hat aber immer funktioniert. Tja, die Limits seiner Kreditkarte sollte man kennen und wann sie gültig sind. Am anderen Tag habe ich mit Carlos Hilfe (Spanisch) versucht, die Kreditkarte bei der entsprechenden Bank kurzfristig wieder zu bekommen. Leider ohne Erfolg. Minimal hätte es 5-6 Tage gedauert, bis die Karte aus dem Automat eingesammelt und der Vorgang geklärt gewesen wäre … Da ich noch eine zweite Karte dabei habe, habe ich es darauf beruhen lassen und eine neue Karte bei der DKB beantragt.

Ein Highlight in der Nähe von La Paz soll die Death Road sein. Na, das wollen Carlos und ich uns natürlich ansehen und auch erleben. Nachdem Carlos sich einigermaßen von der Lebensmittelvergiftung erholt hat, können wir den Ausflug dorthin wagen. Nach einigen Überlegungungen steht der Plan und wir wollen die Death Road per Tagesausflug von La Paz aus „bezwingen“. Die Anfahrt mit runde 50km hat es aber in sich. Um nicht mitten durch den morgendlichen Berufsverkehr zu müssen, starten wir schon vor 7Uhr. Die Wetterprognose sieht einigermaßen günstig aus. Aber die Wettervorsagen in den Bergen sind nicht immer zutreffend bzw. recht ungenau und zudem müssen wir über ein Bergmassiv mit einer Passhöhe bis 4750m. Ab 4000 Höhe kommen wir in dichtem Nebel mit Schneeregen und die Temperatur sinkt auf nur +3° ab. Richtig Spaß macht das nicht mehr. Aber dank der Griffheizung bleiben wenigstens die Hände einigermaßen funktionsfähig. Nach 20km in diesen Wetterverhältnissen haben wir erst mal das Schlimmste überwunden und der Regen hört auf.  Endlich haben wir den Abzweig in die Death Road erreicht. Um uns nicht gleich auf die Downhill Strecke zu stürzen, legen wir erst mal eine Pause ein und sortieren uns. 

Also dann, auf gehts, Death Road wir kommen! Der Einstieg ist über 2 Einfahrten, die nur 2-3km voneinander entfernt sind, möglich und es wird in der Regel von oben nach unten gefahren. Wir nehmen die erste Einfahrt und die Schotterpiste beginnt gleich recht ungemütlich. Aber nach einem kurzen Stück wird der Pfad breiter und die Piste einfacher.

Die Piste führt uns an tiefen Schluchten mit bis zu 1000m Tiefe vorbei. Hier runter zu schauen, ist schon gruselig. Aber rückblickend muss ich sagen, die Death Road habe ich als nicht so gefährlich empfunden und eher als touristische Downhill Strecke für Mountainbiker wahrgenommen. Aber nun, Spaß hat es allemal gemacht mit seinen Wasserdurchfahrten, Wasserfällen und engen Schotter-Serpentienen. Mit jedem Kilometer wird es wärmer und am Ende der Piste bei Yungas sind wir mitten im Regenwald bei Temp. von 30° und mehr. Die Höhendifferenz vom Einstieg der Death Road bis nach Yungas beträgt runde 3000m auf einer Distanz von 32km.

Die Rückfahrt  nach La Paz über die RN 3 ist gut asphaltiert und äußerst kurvenreich, sodass es einem schwindelig werden kann und macht einfach nur Spaß. Aber um wieder nach La Paz rein zu kommen, müssen wir wieder den Höhenzug überwinden. Die Wetterlage hat sich nicht geändert, ab 4000m Höhe wirds unangenehm nass, nebelig und bitter kalt. Gegen späten Nachmittag kommen wir aber wohl behalten und mit einer tollen Erfahrung reicher wieder in unserem Hotel an.

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